Die 60er Jahre waren Jahre der Stafetten-Übergabe an eine neue
Generation.
1969 legte Horst-Tanu Margraf den Dirigentenstab aus der
Hand.
Die Suche nach einem eigenen exemplarischen Halleschen
Aufführungsstil führte zu Kontroversen zwischen Theaterpraktikern
und Musikwissenschaftlern.
Aufführungspraktische Fragen standen in den jährlichen
wissenschaftlichen Konferenzen ebenso im Mittelpunkt wir die
erstrebte Definition eines "neuenbildes".
Händel wurde als "Klassiker", als "Aufklärer"
herausgearbeitet und definiert.
Für die Opernaufführungen hieß das: Distanzierung von den in
den 50er Jahren propagierten Bearbeitungsmethoden. Hin zu einer
weitgehend wörtlich übertragenen deutschen Textfassung, hin auch zu
einer unangetasteten, ausschließlich dem Notenbild folgenden
musikalischen Umsetzung der Partitur. Dramaturgische Retuschen
blieben im Sinne des realistischen Musiktheaters erhalten.
Händelkonzerte, Händelvorträge gelangen verstärkt in die
kleineren Orte von Halles Umgebung. Sie werden teilweise in die
Händel-Festspiele eingebunden. Über ausgeklügelte Anrechtssysteme
und gegebenenfalls über freien Eintritt werden Werktätige in Stadt
und Land sowie Schüler zentralgesteuert mit Händels Werk
konfrontiert.


