Erste Höhepunkte

"Der schöne Traum eines Händel- Festes für die gesamte musikliebende Nation ist in Halle zum zweitenmal nach 1945 Wirklichkeit geworden. Schon ein Gang durch die Stadt lehrt, welch ein Ereignis das Händel-Fest für Halle bedeutet..." Tägliche Rundschau vom 4. Juni 1953 Nr. 126, Ein nationales Musikereignis Das Händel-Fest in Halle

Akzente

Die Aufführungen der Opern RADAMISTO (12.6.1955) und POROS ( 17.6.1956) wurden zu Höhepunkten der ersten Phase der Händel-Opern-Renaissance in Halle. Das Regieteam hieß: Horst-Tanu Margraf, Heinz Rückert, Rudolf Heinrich. Die Sängerdarsteller gehörten dem festen Ensemble des Theaters an:
Philine Fischer, Margarete Herzberg, Werner Enders, Helmuth Kaphahn, Kurt Hübenthal, Günther Leib, Franz Stumpf u.a..

Im Interesse der Erschließung der Händel-Oper für das moderne Theater und für das breite Publikum wurden die Opern dramaturgisch und musikalisch bearbeitet:
Als Maßstab galten die von Walter Felsenstein geprägten Methoden des "realistischen Musiktheaters". Ihnen waren u.a. die in deutscher Sprache verfassten "freien Nachdichtungen" verpflichtet sowie die szenische und die bildliche Realistik.

Der Klang nachgebauter historischer Instrumente ( 22 Spezialisten) und die Orientierung an der Improvisationskunst des Barockzeitalters standen im Dienste einer charakterisierenden Figurenzeichnung und führten nicht selten zu erheblichen Eingriffen in die Händelsche Partitur.
Die Kastratenpartien wurden für tiefe Männerstimmen transponiert.
Die Bearbeitungen lieferten in den Folgejahren reiches Diskussionsmaterial für die Auseinandersetzung um die Aufführungspraxis der Händel-Oper.

Mit der Oper POROS begann für das hallesche Ensemble die Zeit der Gastspiele: Reisen u.a. nach Hamburg, Nürnberg, Göttingen.

1955 legte die Gründung der internationalen Händel-Gesellschaft mit Sitz in Halle den Grundstein für eine kontinuierliche Forschungsarbeit als Voraussetzung für die weitere Erschließung und Aufführung der Werke Georg Friedrich Händels.

Das Kollektiv der "POROS"- Inszenierung erhielt 1956 den ersten Händelpreis.

Der Hallenser "Poros" in Göttingen
"... In Halle ist ein Händel-Ensemble zusammengewachsen, von dem man bei uns nur träumte. Dort ist eine musikalische Aufführungspraxis entwickelt worden, die, frei von historischer Engstirnigkeit, Erfordernisse eines zeitnahen Musiktheaters dennoch mit den wesentlichen Ansprüchen musikalischer Werktreue vereint..."

"... Ein stürmischer Applaus, der häufig die Szene unterbrach, der auch dann noch nicht enden wollte, als sich der eiserne Vorhang schon herabgesenkt hatte, war der Dank eines begeisterten Göttinger Publikums."
Göttinger Tageblatt vom 17. Juli 1957


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