Die Aufführungen der Opern RADAMISTO (12.6.1955) und POROS (
17.6.1956) wurden zu Höhepunkten der ersten Phase der
Händel-Opern-Renaissance in Halle. Das Regieteam hieß: Horst-Tanu
Margraf, Heinz Rückert, Rudolf Heinrich. Die Sängerdarsteller
gehörten dem festen Ensemble des Theaters an:
Philine Fischer, Margarete Herzberg, Werner Enders, Helmuth
Kaphahn, Kurt Hübenthal, Günther Leib, Franz Stumpf u.a..
Im Interesse der Erschließung der Händel-Oper für das moderne
Theater und für das breite Publikum wurden die Opern dramaturgisch
und musikalisch bearbeitet:
Als Maßstab galten die von Walter Felsenstein geprägten
Methoden des "realistischen Musiktheaters". Ihnen waren u.a. die in
deutscher Sprache verfassten "freien Nachdichtungen" verpflichtet
sowie die szenische und die bildliche Realistik.
Der Klang nachgebauter historischer Instrumente ( 22
Spezialisten) und die Orientierung an der Improvisationskunst des
Barockzeitalters standen im Dienste einer charakterisierenden
Figurenzeichnung und führten nicht selten zu erheblichen Eingriffen
in die Händelsche Partitur.
Die Kastratenpartien wurden für tiefe Männerstimmen
transponiert.
Die Bearbeitungen lieferten in den Folgejahren reiches
Diskussionsmaterial für die Auseinandersetzung um die
Aufführungspraxis der Händel-Oper.
Mit der Oper POROS begann für das hallesche Ensemble die Zeit
der Gastspiele: Reisen u.a. nach Hamburg, Nürnberg, Göttingen.
1955 legte die Gründung der internationalen
Händel-Gesellschaft mit Sitz in Halle den Grundstein für eine
kontinuierliche Forschungsarbeit als Voraussetzung für die weitere
Erschließung und Aufführung der Werke Georg Friedrich Händels.
Das Kollektiv der "POROS"- Inszenierung erhielt 1956 den
ersten Händelpreis.
Der Hallenser "Poros" in Göttingen
"... In Halle ist ein Händel-Ensemble zusammengewachsen, von
dem man bei uns nur träumte. Dort ist eine musikalische
Aufführungspraxis entwickelt worden, die, frei von historischer
Engstirnigkeit, Erfordernisse eines zeitnahen Musiktheaters dennoch
mit den wesentlichen Ansprüchen musikalischer Werktreue vereint..."
"... Ein stürmischer Applaus, der häufig die Szene
unterbrach, der auch dann noch nicht enden wollte, als sich der
eiserne Vorhang schon herabgesenkt hatte, war der Dank eines
begeisterten Göttinger Publikums."
Göttinger Tageblatt vom 17. Juli 1957


