Jochen Kowalski, The J. B. B. Jazz Quintett
Joris Bartsch Buhle, Musikalische Leitung, Violine
Agnieszka Antonina Bartsch, Violoncello
Wolfgang Köhler, Piano
Thomas Alkier, Drums
Alexander Procop, Bass
DAS PROGRAMM
John Coltrane (1926–1967)
Giant Steps
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
„Esurientes implevit bonis"
Arie für Alt aus dem Magnificat D-Dur BWV 243
Text: Lk. 1, 46-55, kleine Doxologie
„Ich will dich nicht hören"
Arie des Herkules aus der Kantate „Lasst uns sorgen, lasst uns wachen" (Herkules auf dem
Scheidewege, Die Wahl des Herkules) BWV 213
Textdichter: Picander (= Christian Friedrich Henrici)
Charlie Parker (1920–1955)
Yardbird Suite
Johann Sebastian Bach
„Was mein Herz"
Arie für Alt aus der Kantate „Es ist euch gut, dass ich hingehe" BWV 108
Textdichterin: Christiane Mariane von Ziegler (Nr. 1 und 4: Joh. 16, 7 und 13; Nr. 6: Paul
Gerhardt „Gott Vater, sende deinen Geist“)
Georg Friedrich Händel
„Va tacito e nascosto"
Arie des Cäsar aus der Oper Giulio Cesare in Egitto HWV 17
Textdichter: Niccolò Francesco Haym
PAUSE
Herbie Hancock (*1940)
Dolphin Dance
Domenico Sarro (auch Sarri)(1679–1744)
„Sen corre I'agnelletta al cenno del pastore"
Arie aus der Oper Ginevra, Principessa di Scozia
Textdichter: Antonio Salvi
Johann Adolf Hasse (1699–1783)
„Pallido il sole"
Arie des Artabano aus der Oper Artaserse
Textdichter: Pietro Metastasio (Libretto bearbeitet vermutlich von G. Boldoni)
Frank Churchill (1901–1942)
„Some Day My Prince Will Come”
Song aus dem Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge von Walt Disney
Textdichter: Larry Morey
Riccardo Broschi (1698–1756)
Artaserse che pensi?“
„Mostro crudel"
Rezitativ und Arie des Artaserse aus der Oper Idaspe
Textdichter: Giovanni Pietro Candi
Chick Corea (*1941)
Chrystal silence
Henry Purcell (1659–1695)
„What power art thou"
Szene und Arie des Cold Genius (Frost-Geistes) aus der Semi-Oper King Arthur Z 628
Textdichter: John Dryden
ZUM KONZERT
Ein Brückenschlag
Barock und Jazz – auf den ersten Blick unvereinbare Musikwelten. Das dem nicht so ist werden die Künstler des Konzertes unter Beweis stellen: Berühmte Jazz-Standarts des letzten Jahrhunderts verbinden sie mit fast 300 Jahre alten Arien im Konzert.
Jochen Kowalski begeht in diesem Jahr sein 30jähriges Bühnenjubiläum. Als gefeierter Sänger mit seiner faszinierenden Alt-Stimme steht er für ein vorwiegend barockes Repertoire. Im Konzert darf man hier getrost auf Ungewohntes gefasst sein: das J.B.B. Jazz Quintett bildet den jazzigen Rahmen, in den Arien der Barockmusik eingebettet werden. Jochen Kowalski erfüllt sich mit diesem Programm einen großen Wunsch und steht zudem nach 30 Jahren wieder in Halle zu den Händel-Festspielen auf der Bühne. Hier begann seine Karriere: Am 14. Juni 1982 sang er in der Aula der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Partie des Muzio aus Händels Oper Muzio Scevola.
An das Hallenser Publikum!
Dreißig Jahre lang quäle ich mich mit einer Last herum, doch jetzt muss endlich Schluss
damit sein. Die ganze Wahrheit soll 2012 gnadenlos ans Licht der Öffentlichkeit, denn ich möchte
endlich wieder ganz ohne Angst durch Halle bummeln, am Markt einen Kaffee genießen und durch die
Antik-Shops spazieren können.
Ja, ich gebe meinen 1982 ausgeliehenen Klavierauszug von G. F. Händels Muzio Scevola nach 30
Jahren reumütig den Händel-Festspielen zurück. Ich hoffe auf milde Umstände! „Some Day My Prince
Will Come”
Song aus dem Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge von Walt Disney
Ich versichere der Leitung der Händel-Festspiele feierlich: Mein geliebter Muzio stand auch
immer an einem Ehrenplatz in meinem Notenschrank, denn er hat doch mein Leben so tief und
nachhaltig verändert. Aber ein schlechtes Gewissen hatte ich schon jedes Mal, wenn ich ihn
herausnahm und in ihm blätterte. Auch kamen in den ersten Jahren ja noch – ganz sporadisch –
Mahnungen aus Halle mit der freundlichen Aufforderung: „Wir bitten um Rückgabe ...“ Ich habe aber
nie darauf reagiert. Liebe Hallenser, ich schäme mich dafür, bitte dennoch um Verständnis und
Nachsicht, denn von meinem Muzio konnte (und wollte!) ich mich einfach nicht trennen. Zu viele
wunderbare und wundersame Erinnerungen verknüpften sich mit diesem abgegriffenen Klavierauszug.
Der 14. Juni 1982 war ein sonniger Sommertag und irgendwie meinte Händels Geist es gut mit uns
allen an diesem Konzertnachmittag. Ich war ja noch Student und es war überhaupt mein allererstes
professionelles Konzert. Die Hallenser Kollegen – besonders meine Partnerin Clelia,
Petra-Ines Strate, – gingen sehr liebevoll und hilfsbereit mit mir um. So etwas vergisst man auch
nach 30 Jahren nie.
Einziger Wermutstropfen an diesem Schicksalstag: Im Programmheft stand als Sänger (man
bezeichnete mich als „Contralto“) des Muzio anstatt Jochen JÜRGEN Kowalski. Somit war schon für die
erste Panne in meiner Laufbahn gesorgt ... Mein Debüt in Halle fand also unter falschem Namen
statt. Aber Ehrenwort: ich war es wirklich.
Nach dem Konzert wurde ich dann ganz nebenbei – per Handschlag – vom damaligen Intendanten
der Komischen Oper Berlin, Prof. Dr. Werner Rackwitz, an sein Theater engagiert. So etwas passierte
sonst nur in den „Sängerfilmen“ der Kinotoppzeit. Seit 1983 bin ich nun u. a. Mitglied dieses
Hauses und habe dort alle Höhen und Tiefen eines Sängerlebens mitgemacht. Was ich außerdem so
alles in den vergangenen 30 Jahren gemacht habe, kann man (bei Interesse) sehr übersichtlich im
Internet auf meiner Hompage oder in den verschiedensten einschlägigen Lexika nachlesen. Die Löwen
der Aula der Universität aber — meines allerersten Konzertsaales – haben mich während meiner
gesamten Sängerlaufbahn immer als stille Beschützer begleitet.
Es ist mir heute ein Bedürfnis, mich bei jenen Hallensern zu bedanken, die 1982 Vertrauen zu dem
unbekannten Gesangsstudenten aus Berlin hatten und ihm diesen einzigartigen Start ins Sängerleben
ermöglichten.
Und dann das unglaubliche Hallenser Publikum von damals ... unvergesslich!
Ich freue mich sehr auf mein Konzert zu den Händel-Festspielen 2012, auf ein Wiedersehen mit
Halle, auf das Hallenser Publikum und natürlich auf die Löwen.
Alles Gute für Sie
Ihr Jochen Kowalski
KÜNSTLERBIOGRAFIEN
Jochen Kowalski ist einer der außergewöhnlichsten und erfolgreichsten Altisten der
Gegenwart. Seit 1983 gehört er zum Ensemble der Komischen Oper Berlin und interpretierte an diesem
Hause viele Titelpartien u. a. in Inszenierungen von Harry Kupfer und Antony Pilavachi. Der Sänger
war an allen bedeutenden Opernhäusern Deutschlands zu erleben und erfolgreiche Gastspiele
führten ihn an die Wiener Volks- und Staatsoper. In den 90er Jahre schlossen sich dann
Engagements u. a. an der Pariser Grand Opéra, am Royal Opera House Covent Garden London und an der
New Yorker Metropolitan Opera an.
Kowalskis Repertoire ist für einen Altisten sehr vielseitig und umfangreich. So
begeistert er sein Publikum nicht nur in Barockopern und Oratorien Monteverdis, Händels, Bachs,
Glucks und Mozarts – seine Interpretationen des Giustino und Giulio Cesare von Händel sowie des
Orfeo von Gluck sind in die Theatergeschichte eingegangen – sondern er überzeugt genauso mit
Liederabenden oder in Olga Neuwirths spektakulärer Hommage à Klaus Nomi.
Schuberts Liederzyklus Die Winterreise, die Mitwirkung in Johannes Kalitzkes Oper Die
Besessenen im Theater an der Wien und der Orlofsky in einer Neuinszenierung der Fledermaus in Osaka
unter der musikalischen Leitung von Yutaka Sado, Konzerte in der Staatsoper in Berlin mit dem
Salonorchester „Unter’ n Linden“ der Berliner Staatskapelle und die Mitwirkung in Giulio Cesare bei
den Salzburger Festspielen 2012 waren bzw. sind seine aktuellsten Projekte.
Mit Liederabenden und Solokonzerten – vom klassischen Barockkonzert bis zu Jazz und
Swingprogrammen – gastierte Jochen Kowalski auf nationalen und internationalen Festivals.
Die Konzertmetropolen Moskau, St. Petersburg, Barcelona, Madrid, Paris, London, Wien, Prag,
Lissabon, Kopenhagen, Salzburg und immer wieder Japan, sind nur einige seiner bisherigen
Gastspielorte. Durch zahlreiche TV-Auftritte, diverse CD- und DVD-Einspielungen, ist Jochen
Kowalski einer großen Öffentlichkeit bekannt geworden.
Er arbeitete mit den renommiertesten Dirigenten und Regisseuren zusammen und erhielt im
Laufe seiner Karriere mehrere nationale und internationale Theater- und Schallplattenpreise.
Für seine außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen erhielt der Berliner Kammersänger
Jochen Kowalski im Jahre 2004 den Verdienstorden des Landes Berlin.
Joris Bartsch Buhle ist Gründer des The J. B. B. Jazz Quintetts. Er ist einer der
charismatischsten Dirigenten seiner Generation in den Bereichen Klassik-, Pop- und Filmmusik. Seine
Passion ist es, verschiedene Stilrichtungen zu vereinen und so mögliche musikalische Grenzen
aufzubrechen. Anfang der 90er Jahre sammelte der studierte Solo-Violinist im Berliner
Philharmonischen Orchester bedeutende Erfahrungen. Parallel dazu studierte und assistierte er bei
den Star-Dirigenten Guiseppe Sinopoli und Michail Jurowski.
Ende der 90er Jahre gründete er sein erstes eigenes Orchester, das heutige Berlin Pops
Orchestra. Es war der Beginn, seine klassischen musikalischen Wurzeln mit anderen Musikstilen auf
höchstem Niveau zu verbinden. Im Jahr 2000 engagiert ihn der Entertainer und Showmaster Dieter
Thomas Heck unter der Regie von Frank Hof für alle seine TV-Shows im ZDF. Es folgten eine Vielzahl
an TV-Shows in der ARD, dem ZDF, Pro 7, SAT.1, ARTE und 3SAT.
Seit 2002 ist Joris Bartsch Buhle mit seinen Orchestern Berlin Pops Orchestra, Berlin Score
Orchestra und dem polnischen Wroclaw Score Orchestra offizieller Partner des renommierten Tonstudio
Teldex Studio Berlin. Neben klassischen Musik- und Opernproduktionen für Universal Japan und
AVEX-Japan kommt es zu musikalischen Begegnungen und CD Produktionen mit Künstlern wie Peter
Maffay, Rosenstolz, Barbara Schöneberger, Etta Scollo, Sarah Connor, Nina Hagen, Marc Murphy, Till
Brönner und dem Countertenor Jochen Kowalski für alle internationalen Plattenlabels wie Universal,
Sony/BMG, X-Cell und EDEL.
Karten: 25, Studenten 20 €


