Freitag, 8. Juni 2012 21:00 neues theater

HÄNDELS SCHATTEN. Ein barockes Fieber - Uraufführung

Musik von G. F. Händel, J. S. Bach und H. Rotman


Georg Jenisch, Julia Giesbert, René Arnold, Figurenspiel
Biliana Voutchkova, Violine
Antonis Anissegos, Cembalo, Klavier, Keyboards
Georg Wieland Wagner, Percussion

Idee / Konzeption: Almut Fischer und Georg Jenisch

ZUR AUFFÜHRUNG
Händels Schatten. Ein barockes Fieber

Getrieben von grandioser Selbstüberschätzung und bodenlosem Zweifel, verfolgt der Puppenbauer P. das wahnwitzigste seiner Lebensprojekte: in Gestalt einer gigantischen Puppe, will er den Barockkomponisten G. F. Händel zum Leben erwecken. Das waghalsige Unterfangen des Puppenspielers gerät zunehmend zu einer fiebrigen Phantasmagorie...
„Händels Schatten. Ein barockes Fieber“ ist ein Projekt, in dem sich Musiktheater mit Schauspiel und Figurentheater mischt, Alte und Neue Musik in einen Dialog treten und sich spielerisch auf neue Weise zusammenfügen.
Zeitschichten sind neben- und übereinander gelagert. Auch musikalisch: Verfremdete Händel- und Bach-Klänge sind zu hören, die sich immer wieder in neu komponierter Musik auflösen.
Mittendrin ein skurriler Puppenbauer, P. , eben im Begriff, eine weitere Puppe zu vollenden. Sie ist das Schönste, was er je geschaffen hat. Verliebt in sein Werk und völlig vertieft macht er sich an den letzten Details zu schaffen, als die Puppe zu singen beginnt. Fasziniert und schaudernd zugleich beobachtet P. das Lebendigwerden seines Werkes.
Von diesem alchemistischen Erfolg beflügelt, entsteht die Idee zum wahnwitzigsten seiner bisherigen Projekte: Warum nicht die längst von ihm gebauten Fragmente einer überdimensionalen Händelpuppe endlich zusammensetzen und ihr dann ebenfalls Leben einhauchen?
P. macht sich ans Werk und bemerkt nicht, wie er sich immer tiefer verstrickt und wie er zusehends die Macht über seine Welt verliert.
Seine Puppen werden lebendig, Figuren aus Händels Opern bedrängen ihn, surreale Bilder überwältigen ihn. Die Figuren entwickeln wie die Musiker eine immer stärkere Eigendynamik und ergreifen zusehends von seiner Psyche Besitz.
Als Teil dieser wahnhaften Phantasien begegnet P. auch der blinde Johann Sebastian Bach, der ein ebenso großes Interesse an der Wiedererweckung Händels zu haben scheint...
Immer stärker vermischen sich Wahn und Wahrheit, Rationales und Irrationales - nichts ist wie es scheint.
„Händels Schatten“ ist ein Abend über Entgrenzung und Ekstase, eine musikalisch-theatrale Performance und eine experimentelle Suche nach den Bezugspunkten zwischen Barock und Gegenwart.
Dabei greifen die klassischen Genres ineinander: Für Klänge werden Bilder gesucht und für Bilder Klänge. Die Welt ist ein Theater, das Leben eine immerwährende Maskerade, für die Momente von Spiel, Spiegelung und Illusion den Nährboden bilden.
Auch auf der musikalischen Ebene werden die Schnittstellen von Barock und Gegenwart ausgelotet. Alte und Neue Musik fließen  ineinander über.
Schauspiel, Gesang und Figurentheater verschmelzen zu einer (alp-)traumhaften Übersteigerung.
Drei Arien von Georg Friedrich Händel aus seinen nahezu unbekannten Fragmenten „Genserico“ und „Titus“, die zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurden, kommt dabei eine dramaturgische Schlüsselfunktion zu:
Diese Fragmente von Händel und Passagen aus Bachs Werken bilden die musikalische Grundlage, die in ihrer Verfremdung immer auch einen Bezug zur Gegenwart hat. In sie wird die neu komponierte Musik integriert und sorgt für ein dichtes Netz von Beziehungen zwischen Original und Neuem.

KÜNSTLERBIOGRAFIEN
Die brasilianische Sopranistin Lindsay Funchal studierte Gesang in ihrer Heimat und nahm dort mit Erfolg an vielen Musikfestivals und Konzerten als Solosängerin teil.
In ihrer Heimat hat sie zahlreiche Preise gewonnen, wie zum Beispiel den 1. Preis beim Gesangswettbewerb Salvalírico, Salvador/BA 2008, den besonderen Preis der Jury beim Gesangswettbewerb Maria Callas, São Paulo 2009 und den 3. Preis beim Gesangswettbewerb Heitor Villa- Lobos, Vitória/Brasilien 2009.
Lindsay Funchal interpretierte Rollen wie Blonde (Die Entführung  aus dem Serail), Despina (Così fan tutte), Berenice (L’occasione fa il ladro), Suor Genovieffa (Suor Angelica), Adele (Die Fledermaus), Valencienne (Die lustige Witwe).
Im November 2010 sang sie beim IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt.
Seit 2011 absolviert sie ihr Masterstudium an der Hochschule für Musik in Dresden bei Frau Prof. Christiane Hossfeld.
Seit April 2012 singt Lindsay Susanna in Die Hochzeit des Figaro am Staatsschauspiel Dresden.
Unter 450 Bewerbern konnte sie den 22. internationalen Gesangswettbewerb 2012 der Kammeroper Schloss Rheinsberg für sich entscheiden und wird im August in der Rolle der Susanna  beim Opern-Festival in Schloss Rheinsberg zu erleben sein.

Hans Piesbergen wurde 1961 in Stuttgart geboren und wuchs in Wien auf. Nach seiner Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar spielte er an vielen Theatern in Wien, München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und Berlin.
Prägend war die Arbeit mit George Tabori, Robert Lepage und Barrie Kosky.
Sein Repertoire spannt sich von den Klassikern bis zum Musical: Shakespeares Mercutio und Jago, Don Quijote, Jason in Euripides' Medea und Eduard in Goethes Wahlverwandtschaften, aber auch Hitler in George Taboris Farce Mein Kampf (mit Gastspiel beim Jerusalem Festival und auf Deutschlandtournee).
In Hamburg spielte er in über 350 Vostellungen den bösen Onkel Scar in Der König der Löwen.
Von 2005-2011 arbeitete er  mit Robert Lepage an dem Theaterepos  Lipsynch mit Gastspielen bei internationalen Festivals in London, New York, Moskau, Sydney, Montreal, Madrid, Neapel und bei den Wiener Festwochen.
Hans Piesbergen spielte in etlichen deutschen Fernsehserien und in mehreren internationalen Kinofilmen, er wirkte bei über 50 Hörspielen und Hörbüchern mit.
Hans Piesbergen wurde mit Preisen in Berlin (O.E.Hasse Preis), Wien (Kainz-Preis) und Stuttgart (Theaterpreis) ausgezeichnet.
Zuletzt war er als „Best Actor“ in dem englischsprachigen Kinofilm „Bandaged“ für den  Beverly Hills Outlook Award 2010 nominiert.

Geboren 1969 in Salzburg, studierte Georg Jenisch Komposition am Mozarteum Salzburg und lernte Puppenspiel am Salzburger Marionettentheater.
Mit zahlreichen musikalischen Werken, u.a. Edward II. – ein Königsspiel und Dargelos-Ritual, trat er erfolgreich als Komponist in Erscheinung.
Seit 2002 konzentriert sich seine Arbeit vor allem auf die Verbindung von klassischer Musik und Figurenspiel. Seine Inszenierungen mit bis zu 5 m hohen Großfiguren, wie Strawinskys Oedipus Rex (anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt München) oder Orffs Trionfi (Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz), sprengten die Grenzen des üblichen Figurentheaters. Darüber hinaus verfilmte er 2006 Michael Haydns Pantomime Der Traum, schuf 2007 die Marionettenszenen für den Kinofilm Dem kühlen Morgen entgegen – Dimitri Schostakowitsch (Regie: Oliver Becker; mit Armin Mueller-Stahl) und realisierte 2009  den Figurenfilm Haydns Nacht (mit Udo Samel als Sprecher). 

Julia Giesbert wurde 1978 in Hanau geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, Abteilung Puppenspielkunst. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Puppenspielerin und Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen.
Bisherige Gastengagements führten sie u.a. ans Kleist-Forum Frankfurt-Oder (Der zerbrochne Krug, Regie: Michael Vogel), ans Münchner Künstlerhaus (Orff Trilogie, Regie: Georg Jenisch), ans Schauspielhaus Bochum (Jim Knopf, Regie: Katja Lauken), ans Staatstheater Braunschweig (Miss Sara Sampson, Regie: Anna Bergmann) und ans Oldenburgische Staatstheater (Anna Karenina, Regie: Anna Bergmann).

René Arnold, geboren 1974, studierte Theater- und Opernregie an der Bayerischen
 Theaterakademie München sowie Kulturwissenschaft, Philosophie 
und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.


Er lebt als Filmemacher in Berlin und betreibt dort die Produktionsfirma Bureau Arnold. Daneben ist René Arnold auch als Puppenspieler, Theaterregisseur und -musiker tätig
 und gewann als Komponist den 1. Neuköllner Opernpreis.

Geboren in eine Musikerfamilie, begann Biliana Voutchkova mit vier Jahren Geige zu spielen. Mit neun hatte sie ihren ersten Auftritt mit Orchester und nahm mit sechzehn ihre erste CD für das japanische Label Crown Record Ltd. auf.
Sie studierte Violine am Mannes College of New York und als Stipendiatin an der Southern University of California.
Schon während ihres Studiums setzte sie sich mit zeitgenössischer und improvisierter Musik auseinander. Heute widmet sie sich als Geigerin sowohl der klassischen Kammermusik als auch der Neuen Musik.
Bei zahlreichen Wettbewerben wie dem Kozian International Music Competition, dem CRS National Competition for Performing Artists und dem International Contemporary Music Competition gewann sie Preise.
Als Musikerin sucht Biliana Voutchkova die Auseinandersetzug mit Komponisten, Tänzern oder visuellen Künstlern wie Frances-Marie Uitti, Matthias Bauer, Chiyoko Szlavnics, Robin Hayward, Axel Dörner und Louise Wagner.
Ihre weltweiten Auftritte führten sie u.a. in die Carnegie Hall New York oder mit einem Weill-Recital in die Suntory Hall nach Tokio.
Sie arbeitet regelmäßig mit Ensembles wie Ensemble Kaleidoskop, Ensemble Modern, Musikfabrik, Sascha Waltz&Guests und Opera Dynamo West.

Antonis Anissegos (geb.1970) lebt als Komponist, Pianist (Interpret von historischer bis zeitgenössischer Musik), Improvisator in Berlin.
1991 erhielt er das pianistische Diplom am Staatlichen Konservatorium Thessaloniki. Im Anschluss studierte er in Budapest, Wien, Köln und von 1998 bis 2001 als Meisterschüler von Walter Zimmermann, an der Universität der Künste in Berlin.
Er erhielt mehrere Kompositionsstipendien und gewann 2000 den Ersten Preis im Kompositionswettbewerb der Neuköllner Oper mit der Kammeroper Hundeherz. Für Stirrings Still (nach Samuel Beckett) erhielt er 2002 den Kompositionspreis des Berliner Senats.
Zusammen mit der Videokünstlerin und Performerin Erika Matsunami hat er im Kyoto Art Center (Japan) die Performance rasenjou no jikan / deflection vorgestellt. Weitere  Auftritte gab er u.a. in Berlin (Haus der Kulturen der Welt), Wuppertal, Venedig und Seoul.
Seit 2006 tritt er mit der Butoh-Tänzerin Yuko Kaseki in Deutschland, der Schweiz und Griechenland auf.
Er ist Mitglied verschiedener Projekte, wie dem Ensemble European Music Project oder dem Ensemble Junge Musik.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche CD-Veröffentlichungen im Bereich der zeitgenössischen, improvisierten und elektronischer Musik.

Georg Wieland Wagner studierte klassisches Schlagwerk, Komposition sowie zeitgenössische Aufführungspraxis und Improvisation. Nach seinem Studienabschluss bekam er seine erste Anstellung als Pauker und Schlagzeuger am Staatstheater Cottbus. Es folgten eine Vielzahl von Engagements für Uraufführungen, Performances, CDs – und Fernsehproduktionen im In- und Ausland. Daneben vertiefte er seine solistische Tätigkeit an Marimba und Vibraphon und wandte sich neben der zeitgenössischen Musik verstärkt der Ethno-Music zu. Inspiriert von mehreren ausgedehnten Reisen durch Südamerika  gründete er 1999 die Band Gualaceo.
Mit Hans Rotman arbeitete er am Volkstheater Wien in Rotmans Komposition Spiegelgrund (Regie: Johann Kresnik) und beim belgischen Rundfunk Brüssel in der Fernsehproduktion von Rotmans Kammeroper Torre de Canela. Sein kompositorisches Schaffen umfaßt Kammermusik, Lieder, Werke für Orchester, für Sprechtheater, Tanz, Hörspiel und Film. Aktuell ist er in der Woyzeck-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden zu erleben.

Als Intendant des IMPULS-Festivals für Neue Musik brachte Hans Rotman 2008 erstmals die sechs Orchester Sachsen-Anhalts für ein neues, seitdem jährlich stattfindendes Festival der zeitgenössischen Musik zusammen.
Der Holländer studierte Violine in Utrecht, Dirigieren bei Franco Ferrara und Kurt Masur. 1985 trat er beim Tanglewood Music Festival des Boston Symphony Orchestra auf. Höhepunkt dieser Arbeit war ein gemeinsames Konzert mit Leonard Bernstein.
In Deutschland, Belgien und den Niederlanden dirigierte er ein breites Repertoire, besonders im Bereich der romantischen Oper und der klassischen Moderne.
Große Bekanntheit erlangte er als Dirigent des Rundfunkorchesters Brüssel mit sinfonischer Musik für das belgische Fernsehen sowie den Young People Concerts der Königlichen Philharmonie Vlaanderen.
Als Komponist der Kammeroper Torre de Canela (Turm aus Zimt, Brüssel), der Radiooper Erosion (Amsterdam) und der Oper Die Sechste Stunde (Regie: Johan Kresnik) bewies er seine besondere Leidenschaft für Musiktheater und Neue Musik.
Die Staatskapelle Halle und das Weimarer Kunstfest engagierten Rotman ab 2004, um die Neue Musik einem größeren und jungen Publikum zu erschließen
2006 beauftragte ihn Klaus Maria Brandauer, die Musik für sein Mozart-Programm zu komponieren.
2007 war Rotman Composer in Residence des renommierten Festival Musica Religiosa in Spanien.

1967 geboren in Rottweil/Neckar, studierte Almut Fischer Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Während ihres Studiums war sie Regieassistentin  am Bayerischen Staatsschauspiel und am Kölner Schauspiel.
Seit 1996 arbeitet Almut Fischer als freie Dramaturgin und Regisseurin u.a. am Theater Basel, dem Thalia Theater Hamburg, Staatsschauspiel Dresden, Thalia Theater Halle, den Hamburger Kammerspielen, bei den Bad Hersfelder Festspielen, am Theater Heilbronn und für das Figurentheater Kiel. Ihre Inszenierungen waren zu internationalen Festivals in Israel, Ägypten und Brasilien eingeladen.
Seit dem Jahr 2000 ist sie außerdem als Dramaturgin für Film und Fernsehen tätig.
Almut Fischer ist seit 2009 Festivaldramaturgin des IMPULS-Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt.

Karten: 25, 15 €


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