Georg Jenisch, Julia Giesbert, René Arnold, Figurenspiel
Biliana Voutchkova, Violine
Antonis Anissegos, Cembalo, Klavier, Keyboards
Georg Wieland Wagner, Percussion
Idee / Konzeption: Almut Fischer und Georg Jenisch
ZUR AUFFÜHRUNG
Händels Schatten. Ein barockes Fieber
Getrieben von grandioser Selbstüberschätzung und bodenlosem Zweifel, verfolgt der Puppenbauer P.
das wahnwitzigste seiner Lebensprojekte: in Gestalt einer gigantischen Puppe, will er den
Barockkomponisten G. F. Händel zum Leben erwecken. Das waghalsige Unterfangen des Puppenspielers
gerät zunehmend zu einer fiebrigen Phantasmagorie...
„Händels Schatten. Ein barockes Fieber“ ist ein Projekt, in dem sich Musiktheater mit
Schauspiel und Figurentheater mischt, Alte und Neue Musik in einen Dialog treten und sich
spielerisch auf neue Weise zusammenfügen.
Zeitschichten sind neben- und übereinander gelagert. Auch musikalisch: Verfremdete Händel-
und Bach-Klänge sind zu hören, die sich immer wieder in neu komponierter Musik auflösen.
Mittendrin ein skurriler Puppenbauer, P. , eben im Begriff, eine weitere Puppe zu vollenden.
Sie ist das Schönste, was er je geschaffen hat. Verliebt in sein Werk und völlig vertieft macht er
sich an den letzten Details zu schaffen, als die Puppe zu singen beginnt. Fasziniert und schaudernd
zugleich beobachtet P. das Lebendigwerden seines Werkes.
Von diesem alchemistischen Erfolg beflügelt, entsteht die Idee zum wahnwitzigsten seiner
bisherigen Projekte: Warum nicht die längst von ihm gebauten Fragmente einer überdimensionalen
Händelpuppe endlich zusammensetzen und ihr dann ebenfalls Leben einhauchen?
P. macht sich ans Werk und bemerkt nicht, wie er sich immer tiefer verstrickt und wie er
zusehends die Macht über seine Welt verliert.
Seine Puppen werden lebendig, Figuren aus Händels Opern bedrängen ihn, surreale Bilder
überwältigen ihn. Die Figuren entwickeln wie die Musiker eine immer stärkere Eigendynamik und
ergreifen zusehends von seiner Psyche Besitz.
Als Teil dieser wahnhaften Phantasien begegnet P. auch der blinde Johann Sebastian Bach, der
ein ebenso großes Interesse an der Wiedererweckung Händels zu haben scheint...
Immer stärker vermischen sich Wahn und Wahrheit, Rationales und Irrationales - nichts ist wie
es scheint.
„Händels Schatten“ ist ein Abend über Entgrenzung und Ekstase, eine musikalisch-theatrale
Performance und eine experimentelle Suche nach den Bezugspunkten zwischen Barock und Gegenwart.
Dabei greifen die klassischen Genres ineinander: Für Klänge werden Bilder gesucht und für
Bilder Klänge. Die Welt ist ein Theater, das Leben eine immerwährende Maskerade, für die Momente
von Spiel, Spiegelung und Illusion den Nährboden bilden.
Auch auf der musikalischen Ebene werden die Schnittstellen von Barock und Gegenwart
ausgelotet. Alte und Neue Musik fließen ineinander über.
Schauspiel, Gesang und Figurentheater verschmelzen zu einer (alp-)traumhaften Übersteigerung.
Drei Arien von Georg Friedrich Händel aus seinen nahezu unbekannten Fragmenten „Genserico“
und „Titus“, die zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurden, kommt dabei eine dramaturgische
Schlüsselfunktion zu:
Diese Fragmente von Händel und Passagen aus Bachs Werken bilden die musikalische Grundlage,
die in ihrer Verfremdung immer auch einen Bezug zur Gegenwart hat. In sie wird die neu komponierte
Musik integriert und sorgt für ein dichtes Netz von Beziehungen zwischen Original und Neuem.
KÜNSTLERBIOGRAFIEN
Die brasilianische Sopranistin
Lindsay Funchal studierte Gesang in ihrer Heimat und nahm dort mit Erfolg an
vielen Musikfestivals und Konzerten als Solosängerin teil.
In ihrer Heimat hat sie zahlreiche Preise gewonnen, wie zum Beispiel den 1. Preis beim
Gesangswettbewerb Salvalírico, Salvador/BA 2008, den besonderen Preis der Jury beim
Gesangswettbewerb Maria Callas, São Paulo 2009 und den 3. Preis beim Gesangswettbewerb Heitor
Villa- Lobos, Vitória/Brasilien 2009.
Lindsay Funchal interpretierte Rollen wie Blonde (Die Entführung aus dem Serail),
Despina (Così fan tutte), Berenice (L’occasione fa il ladro), Suor Genovieffa (Suor Angelica),
Adele (Die Fledermaus), Valencienne (Die lustige Witwe).
Im November 2010 sang sie beim IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt.
Seit 2011 absolviert sie ihr Masterstudium an der Hochschule für Musik in Dresden bei Frau
Prof. Christiane Hossfeld.
Seit April 2012 singt Lindsay Susanna in Die Hochzeit des Figaro am Staatsschauspiel Dresden.
Unter 450 Bewerbern konnte sie den 22. internationalen Gesangswettbewerb 2012 der Kammeroper
Schloss Rheinsberg für sich entscheiden und wird im August in der Rolle der Susanna beim
Opern-Festival in Schloss Rheinsberg zu erleben sein.
Hans Piesbergen wurde 1961 in Stuttgart geboren und wuchs in Wien auf. Nach seiner
Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar spielte er an vielen Theatern in Wien, München,
Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und Berlin.
Prägend war die Arbeit mit George Tabori, Robert Lepage und Barrie Kosky.
Sein Repertoire spannt sich von den Klassikern bis zum Musical: Shakespeares Mercutio und
Jago, Don Quijote, Jason in Euripides' Medea und Eduard in Goethes Wahlverwandtschaften, aber auch
Hitler in George Taboris Farce Mein Kampf (mit Gastspiel beim Jerusalem Festival und auf
Deutschlandtournee).
In Hamburg spielte er in über 350 Vostellungen den bösen Onkel Scar in Der König der Löwen.
Von 2005-2011 arbeitete er mit Robert Lepage an dem Theaterepos Lipsynch mit
Gastspielen bei internationalen Festivals in London, New York, Moskau, Sydney, Montreal, Madrid,
Neapel und bei den Wiener Festwochen.
Hans Piesbergen spielte in etlichen deutschen Fernsehserien und in mehreren internationalen
Kinofilmen, er wirkte bei über 50 Hörspielen und Hörbüchern mit.
Hans Piesbergen wurde mit Preisen in Berlin (O.E.Hasse Preis), Wien (Kainz-Preis) und
Stuttgart (Theaterpreis) ausgezeichnet.
Zuletzt war er als „Best Actor“ in dem englischsprachigen Kinofilm „Bandaged“ für den
Beverly Hills Outlook Award 2010 nominiert.
Geboren 1969 in Salzburg, studierte
Georg Jenisch Komposition am Mozarteum Salzburg und lernte Puppenspiel am
Salzburger Marionettentheater.
Mit zahlreichen musikalischen Werken, u.a. Edward II. – ein Königsspiel und Dargelos-Ritual,
trat er erfolgreich als Komponist in Erscheinung.
Seit 2002 konzentriert sich seine Arbeit vor allem auf die Verbindung von klassischer Musik
und Figurenspiel. Seine Inszenierungen mit bis zu 5 m hohen Großfiguren, wie Strawinskys Oedipus
Rex (anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt München) oder Orffs Trionfi (Münchner Künstlerhaus am
Lenbachplatz), sprengten die Grenzen des üblichen Figurentheaters. Darüber hinaus verfilmte er 2006
Michael Haydns Pantomime Der Traum, schuf 2007 die Marionettenszenen für den Kinofilm Dem kühlen
Morgen entgegen – Dimitri Schostakowitsch (Regie: Oliver Becker; mit Armin Mueller-Stahl) und
realisierte 2009 den Figurenfilm Haydns Nacht (mit Udo Samel als Sprecher).
Julia Giesbert wurde 1978 in Hanau geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie an der
Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, Abteilung Puppenspielkunst. Seit ihrem
Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Puppenspielerin und Schauspielerin für Theater, Film und
Fernsehen.
Bisherige Gastengagements führten sie u.a. ans Kleist-Forum Frankfurt-Oder (Der zerbrochne
Krug, Regie: Michael Vogel), ans Münchner Künstlerhaus (Orff Trilogie, Regie: Georg Jenisch), ans
Schauspielhaus Bochum (Jim Knopf, Regie: Katja Lauken), ans Staatstheater Braunschweig (Miss Sara
Sampson, Regie: Anna Bergmann) und ans Oldenburgische Staatstheater (Anna Karenina, Regie: Anna
Bergmann).
René Arnold, geboren 1974, studierte Theater- und Opernregie an der Bayerischen
Theaterakademie München sowie Kulturwissenschaft, Philosophie
und Kunstgeschichte an der
Humboldt-Universität zu Berlin.
Er lebt als Filmemacher in Berlin und betreibt dort die Produktionsfirma Bureau Arnold.
Daneben ist René Arnold auch als Puppenspieler, Theaterregisseur und -musiker tätig
und gewann als
Komponist den 1. Neuköllner Opernpreis.
Geboren in eine Musikerfamilie, begann
Biliana Voutchkova mit vier Jahren Geige zu spielen. Mit neun hatte sie ihren
ersten Auftritt mit Orchester und nahm mit sechzehn ihre erste CD für das japanische Label Crown
Record Ltd. auf.
Sie studierte Violine am Mannes College of New York und als Stipendiatin an der Southern
University of California.
Schon während ihres Studiums setzte sie sich mit zeitgenössischer und improvisierter Musik
auseinander. Heute widmet sie sich als Geigerin sowohl der klassischen Kammermusik als auch der
Neuen Musik.
Bei zahlreichen Wettbewerben wie dem Kozian International Music Competition, dem CRS National
Competition for Performing Artists und dem International Contemporary Music Competition gewann sie
Preise.
Als Musikerin sucht Biliana Voutchkova die Auseinandersetzug mit Komponisten, Tänzern oder
visuellen Künstlern wie Frances-Marie Uitti, Matthias Bauer, Chiyoko Szlavnics, Robin Hayward, Axel
Dörner und Louise Wagner.
Ihre weltweiten Auftritte führten sie u.a. in die Carnegie Hall New York oder mit einem
Weill-Recital in die Suntory Hall nach Tokio.
Sie arbeitet regelmäßig mit Ensembles wie Ensemble Kaleidoskop, Ensemble Modern, Musikfabrik,
Sascha Waltz&Guests und Opera Dynamo West.
Antonis Anissegos (geb.1970) lebt als Komponist, Pianist (Interpret von
historischer bis zeitgenössischer Musik), Improvisator in Berlin.
1991 erhielt er das pianistische Diplom am Staatlichen Konservatorium Thessaloniki. Im
Anschluss studierte er in Budapest, Wien, Köln und von 1998 bis 2001 als Meisterschüler von Walter
Zimmermann, an der Universität der Künste in Berlin.
Er erhielt mehrere Kompositionsstipendien und gewann 2000 den Ersten Preis im
Kompositionswettbewerb der Neuköllner Oper mit der Kammeroper Hundeherz. Für Stirrings Still (nach
Samuel Beckett) erhielt er 2002 den Kompositionspreis des Berliner Senats.
Zusammen mit der Videokünstlerin und Performerin Erika Matsunami hat er im Kyoto Art Center
(Japan) die Performance rasenjou no jikan / deflection vorgestellt. Weitere Auftritte gab er
u.a. in Berlin (Haus der Kulturen der Welt), Wuppertal, Venedig und Seoul.
Seit 2006 tritt er mit der Butoh-Tänzerin Yuko Kaseki in Deutschland, der Schweiz und
Griechenland auf.
Er ist Mitglied verschiedener Projekte, wie dem Ensemble European Music Project oder dem
Ensemble Junge Musik.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche CD-Veröffentlichungen im Bereich der zeitgenössischen,
improvisierten und elektronischer Musik.
Georg Wieland Wagner studierte klassisches Schlagwerk, Komposition sowie
zeitgenössische Aufführungspraxis und Improvisation. Nach seinem Studienabschluss bekam er seine
erste Anstellung als Pauker und Schlagzeuger am Staatstheater Cottbus. Es folgten eine Vielzahl von
Engagements für Uraufführungen, Performances, CDs – und Fernsehproduktionen im In- und Ausland.
Daneben vertiefte er seine solistische Tätigkeit an Marimba und Vibraphon und wandte sich neben der
zeitgenössischen Musik verstärkt der Ethno-Music zu. Inspiriert von mehreren ausgedehnten Reisen
durch Südamerika gründete er 1999 die Band Gualaceo.
Mit Hans Rotman arbeitete er am Volkstheater Wien in Rotmans Komposition Spiegelgrund (Regie:
Johann Kresnik) und beim belgischen Rundfunk Brüssel in der Fernsehproduktion von Rotmans
Kammeroper Torre de Canela. Sein kompositorisches Schaffen umfaßt Kammermusik, Lieder, Werke für
Orchester, für Sprechtheater, Tanz, Hörspiel und Film. Aktuell ist er in der Woyzeck-Inszenierung
am Staatsschauspiel Dresden zu erleben.
Als Intendant des IMPULS-Festivals für Neue Musik brachte
Hans Rotman 2008 erstmals die sechs Orchester Sachsen-Anhalts für ein neues,
seitdem jährlich stattfindendes Festival der zeitgenössischen Musik zusammen.
Der Holländer studierte Violine in Utrecht, Dirigieren bei Franco Ferrara und Kurt Masur.
1985 trat er beim Tanglewood Music Festival des Boston Symphony Orchestra auf. Höhepunkt dieser
Arbeit war ein gemeinsames Konzert mit Leonard Bernstein.
In Deutschland, Belgien und den Niederlanden dirigierte er ein breites Repertoire, besonders
im Bereich der romantischen Oper und der klassischen Moderne.
Große Bekanntheit erlangte er als Dirigent des Rundfunkorchesters Brüssel mit sinfonischer
Musik für das belgische Fernsehen sowie den Young People Concerts der Königlichen Philharmonie
Vlaanderen.
Als Komponist der Kammeroper Torre de Canela (Turm aus Zimt, Brüssel), der Radiooper Erosion
(Amsterdam) und der Oper Die Sechste Stunde (Regie: Johan Kresnik) bewies er seine besondere
Leidenschaft für Musiktheater und Neue Musik.
Die Staatskapelle Halle und das Weimarer Kunstfest engagierten Rotman ab 2004, um die Neue
Musik einem größeren und jungen Publikum zu erschließen
2006 beauftragte ihn Klaus Maria Brandauer, die Musik für sein Mozart-Programm zu
komponieren.
2007 war Rotman Composer in Residence des renommierten Festival Musica Religiosa in
Spanien.
1967 geboren in Rottweil/Neckar, studierte
Almut Fischer Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München. Während ihres Studiums war sie Regieassistentin am
Bayerischen Staatsschauspiel und am Kölner Schauspiel.
Seit 1996 arbeitet Almut Fischer als freie Dramaturgin und Regisseurin u.a. am Theater Basel,
dem Thalia Theater Hamburg, Staatsschauspiel Dresden, Thalia Theater Halle, den Hamburger
Kammerspielen, bei den Bad Hersfelder Festspielen, am Theater Heilbronn und für das Figurentheater
Kiel. Ihre Inszenierungen waren zu internationalen Festivals in Israel, Ägypten und Brasilien
eingeladen.
Seit dem Jahr 2000 ist sie außerdem als Dramaturgin für Film und Fernsehen tätig.
Almut Fischer ist seit 2009 Festivaldramaturgin des IMPULS-Festivals für Neue Musik in
Sachsen-Anhalt.
Karten: 25, 15 €


