Das repräsentative Eckhaus „Zum Gelben Hirschen“ in der Nähe der herzoglichen Residenz am Domplatz blickte gewiss schon 1666, als es Händels Vater, der Leibchirurg des in Halle residierenden Administrators des Erzstiftes Magdeburg, Georg Händel, kaufte, auf eine längere Baugeschichte zurück. Der Drang der immer wieder wechselnden Besitzer, dem jeweiligen Zeitgeschmack nachzugeben und den Bau den praktischen Erfordernissen anzupassen, führte mehrfach zu teilweise eingreifenden baulichen Veränderungen.
Heute kann der Besucher nur noch erahnen, wie das Innere und die Fassade des Gebäudes vor, während oder noch kurz nach der Nutzung durch die Familie Händel ausgesehen haben mag. Später führten sogar Ladeneinbauten zu empfindlichen Störungen im Erscheinungsbild. Freitreppe und Toreinfahrt mussten verschwinden. Im Jahre 1937 erwarb die Stadt Halle das Haus an der Ecke Große Nikolai-/Kleine Ulrichstraße, um in ihm ein Museum einzurichten. Zur Eröffnung der Ausstellungen kam es allerdings dann erst nach dem zweiten Weltkrieg.
Anlässlich des Händel-Jubiläums 1985 erfuhr das Händel-Haus die erste, dringend notwendig
gewordene Erweiterung durch Einbeziehung des östlich angrenzenden Grundstücks mit seinem
historischen Baubestand. Das wirkte sich nicht nur auf den Museumsbereich positiv aus (eine neu
konzipierte Ausstellung zu Leben und Werk des Komponisten und im Obergeschoss seit 1989 ein
musealer Überblick über Halles Musikgeschichte), sondern auch die Restaurierungs-Werkstatt und die
Bibliothek erhielten im Seitenflügel des Nachbarhauses zumindest günstigere Arbeitsbedingungen als
bis dahin. Bessere Möglichkeiten ergaben sich u. a. ebenfalls für die Veranstaltungstätigkeit. Ein
Kammermusiksaal - vormals unter dem Dach untergebracht - fand im Erdgeschoss des hinzugewonnenen
Gebäudes Platz. Im Sommer bieten sich zusätzlich zwei Höfe für Freiluftkonzerte an. Ein
Besucher-Café und der Rest eines Gewölbekellers aus romanischer Zeit lassen sich für
Gesprächsrunden im kleinen Kreis nutzen. Darüber hinaus steht das Haus täglich bis Mitternacht
allen Festspielgästen als Treffpunkt und „Oase“ offen. Seit dem Jahre 2000 erleben die Besucher der
Händel-Festspiele das erneut um ein Gebäude erweiterte Händel Haus als Mittelpunkt einer neu
errichteten „Musikinsel“, die bedeutende Musikeinrichtungen der Stadt wie das Institut für
Musikwissenschaft und das Institut für Musikpädagogik der Martin-Luther-Universität sowie die
Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle in enger Nachbarschaft verbindet.


