Die Marktkirche „Unser Lieben Frauen“
Fünf Türme thronen über dem Halleschen Marktplatz - vier davon gehören zur Marktkirche.
Vervollständigt wird die Silhouette durch den Roten Turm, aus dessen Höhe stündlich der
"Westminster-Gong“ erklingt.
Noch im 16. Jahrhundert standen hier zwei Kirchen. Diese riss man mit Ausnahme ihrer vier Türme
ab, welche 1529 mit dem spätgotischen Bau der Hallenkirche verbunden wurden. Vom ersten
Gottesdienst am Karfreitag 1541 an wurde die Kirche evangelisch genutzt. Dreimal predigte hier
Martin Luther. Dem großen Reformator wurde zu seinem 400. Geburtstag 1883 ein Denkmal an der zum
Markt gerichteten Kirchenfront errichtet. 1685 wurde Georg Friedrich Händel in der Marktkirche
getauft. Auf der erhaltenen Reichel-Orgel über dem Altar erlernte er das Orgelspiel. Als weiterer
berühmter Organist wirkte hier von 1746 - 1764 Friedemann Bach. In der Marienkirche sind zwei
Orgeln aufgestellt. Der Prospekt der großen Orgel auf der Westempore stammt aus dem Jahre 1716. Das
aktuelle Orgelwerk wurde 1984 eingebaut. Es besteht aus 4170 klingenden Pfeifen, deren größte
stattliche fünf Meter und deren kleinste winzige sechs Millimeter misst. Die 56 klingenden Stimmen
sind auf drei Manualwerke und ein Pedal verteilt. Für 200 Taler schuf der Orgelbauer Georg Reichel
1664 das ältere Instrument auf der Ostempore. Diese kleine Orgel hat nur ein Manual mit sechs
Registern, sie ist auf den Cornetton gestimmt, die auf ihr gespielten Werke klingen somit ungefähr
eine kleine Terz höher als sie das Notenbild angibt. Man entschloss sich, sie nicht temperiert, wie
die heutigen Instrumente, sondern mitteltönig zu stimmen. Diese Stimmung war zur Zeit des Baues der
Orgel üblich. Durch sie erklingen die Werke der alten Meister viel farbiger und plastischer als in
der heute üblichen temperierten Stimmung.


